Archiv für Juli 2018

Neues Album ab 28.September 2018!

Drei Jahre nach „Dirigenten. Dompteure. Diktatoren.“ veröffentlichen wir unser drittes, selbst betiteltes Album.
Wie auch schon in den letzten Jahren werden wir dabei wieder von Kidnap Music, Riot Bike Records, RilRec & Uga Uga Tapes (in Kooperation mit Black Cat Tapes) unterstützt, denen wir gar nicht genug dafür danken können!
Mehr Infos demnächst.

„Statt Land: Stuss“ Juni Tour 2018 – Das Tagebuch

Nonstop Nonsens ist dieser Tage Konsens. Mittwoch, 27.Juni. Kurz nach 13 Uhr. Treffen am Proberaum in Hamm. Endlich zum ersten Mal den neuen Bus mit der gesamten Backline, Merch und Pennzeugs beladen. Tetris analog. 13:40 Uhr: Kofferraum zu, Fast Sluts Demo an und rauf auf die A24. In eine mitteleuropäische Hauptstadt mit B. Neben 150 kunterbunten Spielzetteln noch mit im Gepäck: acht Songs von der neuen Platte. „Du bist ein troier Froind, sonst wären wir nicht hier, ohne den…“, was reimt sich eigentlich auf T6? Egal, hört echt mehr Fast Sluts! Sie sind sehr gut. 15:15 Uhr. Rastplatz Prignitz. Kurze Eis- und Pinkelpause. Mario berichtet dass sich auf dem WC ein Busfahrer lauthals beklagte, weil neuerdings auch er Sanifair bezahlen muss. Welch Beschiss. Für Ori haben sie keinen Flutschfinger in der Truhe. Stemmi hält sich diese Reise wieder an die Bandinternen Konsumregeln an Raststätten und Tankstellen. (Siehe Textanfang des Herbst-Tourdiary 2016 im Blog!) Ein Magnum White und die aktuelle Bravo, inkl. quietsch-oranger „megaextracooler Handy-Katzen-Bumper“ Heftbeilage, die dann grad mal bis zur Ankunft heil bleibt. Inhaltlich leider auch keine Highlights. Laut Horoskop stehen uns schöne Tage mit „Party“ und „Love“ bevor. Nur Ori drohen eher Kackitage. Mal schauen. Um 16:09 Uhr lässt sich Mario „eher teuer“ fotografieren. Und schon eine Stunde vor „da sein“ sind wir am Tommy-Haus. Berlin ist vergleichsweise wie ausgestorben. Danke Fußball! Und gebt mir fünf, hö hö hö hö hö. Im Schicksaal läuft die ganze Zeit über eine CD mit Offbeat-Coverversionen diverser Rockhits. Wir geben Soundmensch Bodos Spruch „Gute Musik entstellt fast nix“ das Prädikat ‚sehr gutes Zitat’. Vollenden aber noch mit „…außer Ska!“. Ach ja, kennt wer von euch vielleicht die allen hier und uns unbekannte Hamburger Band „Hafengang“? Bodo feiert deren Demo ziemlich ab. Also wenn bitte mal bei uns melden! Es ist Punkt 19 Uhr. Oris allererster Mikrofoncheck! Wackelkontakt… 19:03 Uhr. Oris allerallererster Mikrofoncheck!! Respekt. Er versucht sich die kommenden Tage mal an etwas Backroundgesang. Danach gibt es Knoblauch. Mit Spagetti und veganer Gulaschsoße, samt extra großen Seitanbrocken und Bohnensalat. Alles sehr sättigend und richtig lecker. Thanks for that! Um 21:30 Uhr erfahren wir dass das Frei.Land in Potsdam jetzt ein Bällebad hat. Ey, wat geht mit Ultrash-Auftritt nächstes Jahr, liebe Genoss_innen? Um 21:40 Uhr starten Gehwegschäden. Im Biker-Fachjargon auch „Geh weg Schäden!“ ausgesprochen. Die sechs Fahrradkurier_innen und selbsternannten Musik-Rookies unterhalten mit Rumpelpunk und kanadischen Singalongs. Nach 40 Minuten endet ihr sympathischer Auftritt mit dem „Fuck you“-Hit. Wir schließen uns ihrer Aufforderung „support supportbands“ an. Bauen danach schnell auf und starten keine 15 Minuten später mit dem kommenden Albumopener „PROtestsong“. Spielen über eine Stunde, inkl. ein paar Ansagen zu den neuen Stücken und nach den beiden Zugaben auch noch spontan „Peter + Marcus“. In wenigen Stunden jähren sich nämlich zum 49sten Mal die „Stonewall Riots“ in der New Yorker Christopher Street. Was damals begann, gilt auch heute noch: Nehmt Homophobie persönlich! Wir fanden es war ein wunderschöner, positiver Auftritt. Danke abermals an die entspannte Tommy-Haus-Crew und alle anwesenden 50 Gäste für den Besuch an einem Mittwochabend! Ori überlässt noch einer Besucherin seinen Bass, weil die einmal hören möchte wie es ist den laut zu spielen. Ihre Bitte sie bei einem Police-Song mit der Gitarre zu begleiten kann Stemmen aus technischen Gründen leider nicht nachkommen. Wir schnacken im Hof noch eine Zeit lang mit Grizou-André und heimsen einige tolle Komplimente der sich verabschiedenden Besucher_innen ein. Eine junge, gebürtige Pasewalkerin erzählt uns sogar, dass sie heute das erste Mal seit dem sie 17 war wieder auf einem Punkkonzert gewesen sei. Und es freut sie dass sich anscheinend nichts geändert hat. Ori kippt nach fast 24 Stunden wach sein/24l Bier frühzeitig auf die Matte. Drummer und Gitarrist leeren noch ganz entspannt die restlichen Stagebiere. Um sie herum tanzen grad erst aktiv werdende Stadtratten. Gegen halb Vier holen aber auch sie ihre letzten Berliner Pilsener aus der Kneipe „Linie 1“ gleich nebenan. Um 3:33 Uhr geht es zum zweiten und letzten Mal die 1118 Stufen hoch ins riesige Schlafgemach unterm Dach. Längst schon ist Donnerstag, der 28.Juni und es wird hell.

Wir stehen nach und nach bis 9:15 Uhr auf. Steigen samt Ausrüstung vom Dach ab. Schreiben etwas Tourtagebuch. Sprühen unseren Bandnamen per Stencil an ein paar Ecken. Frühstücken Brezel vom Kiosk um die Ecke. Decken uns bei Flo für die Fahrt noch mit Club-Mate Cola und Fritz Limo ein. Beladen den Bulli gekonnt und begeben uns gegen 10:30 Uhr auf die längste Etappe nach Kassel. Heute fährt Stemmen. Vor der Autobahn halten wir noch kurz zum Tanken und dann an einem Supermarkt. Für Ori haben sie wieder keinen Flutschfinger in der Tiefkühltruhe. Bis auf die grüne Spitze schmeckt aber die Kaktuseis-Alternative fast genauso. Wir hören Flux FM und die Sendung „Stadt Land Flux“ (kein Witz!), in der wir Erstaunliches aus dem Berufsalltag eines Hochzeitsplaners erfahren. Beim niedersächsischen Radio 21 läuft später dann der Programmchef Amok. Was war denn da los? Lassen uns bei der knallenden Sonne erstmal direkt zum Kasseler Auebad navigieren. Der Parkscheinautomat 292 frisst die 4€. Aber wir hinterlassen einen ehrlichen Zettel hinter der Windschutzscheibe. Entern mehrfach den Drei-Meter-Sprungturm des weitläufigen Freibades am Flusslauf der Fulda. Die Wasserrutsche ist eher lame. Fühlen uns aber überall total sicher dank Bademeisterhero Renegate. Eine gute Stunde später empfiehlt uns Oris Smartphone den veganen Imbiss „Zum glücklichen Bergschweinchen“, welcher aber wohl schon länger geschlossen hat. Da wird nun Kasseler Stadtbienenhonig vertickt. Im April 2006 wurde genau an dieser Adresse Halit Yozgat vom NSU in seinem damaligen Internetladen erschossen. Bekanntlich im Beisein des Verfassungs“schützers“ Andreas Temme. (Nein, weder verwandt, noch verschwägert!) Ein komisches Gefühl hier nun mit leerem Magen zu stehen. Auch wenn am nächsten Mittwoch (11.Juli 2018) tatsächlich die Urteile für Beate Zschäpe und Co verlesen werden sollten, bedeutet dies noch längst keinen Schlussstrich für uns alle! Infos zu den bundesweiten Kundgebungen gibt es unter www.nsuprozess.net und anderswo. Das Problem heißt Rassismus! Wir essen gute Pommes bei Nobbi’s, nur sechs Minuten Fußweg entfernt. Kaufen ein halbes Blech Donauwelle, kühles Dosenbier und Knabberkram und juckeln damit weiter zum K19, mitten auf dem Uni Campus. Treffen den alten Bekannten Tobi von Crack it! wieder. Seine Freundin Jasmin veranstaltet das Konzert heute mit. Leider eines der letzten dieser Art hier. Welch schöner und glücklicher Zufall. Und was ist das denn bitte für eine riesige, hohe Bühne? Der Soundcheck mit Leo läuft professionell und flott ab. Es gibt Kuskus mit indischem Kichererbsenzeugs und großartiger, veganer Zazikisoße – megalecker! Danke an die Küchencrew! Die Kasseler Band Oilenbär steht übrigens mehr auf skandinavisches „Oil“ (=Bier), als auf „Oi!“. Beim Fußball pöhlen auf dem angrenzenden Bolzplatz werden wir dann vom Riot Bike Labelboss überrascht. Er ist auf der Durchreise aus München. Will nur Kohle abholen. Tammy vom Eventticker „Kassel live“ möchte uns gerne kurz für einen Dreizeiler interviewen. Da machen die Linksradikalen natürlich mit. Danke für dein spontanes Interesse und das echt schöne, nur leider halt eine Woche zu spät geschossene 1A-Promo-Foto! Pünktlich um 22:01 Uhr fangen Oilenbär an. Sie unterhalten beim erst dritten Auftritt ebenfalls mit selbst betiteltem „Skat-Punk“. Also irgendwas zwischen Ska und Skatepunk, gespickt mir einigen Coversongs von den R.a.m.o.n.e.s. und anderen. Wir haben zwei der Helium-Melonen-Luftballons von der Bühnendeko ans Schlagzeug gebunden. Sie wippen im Takte mit. Der Sound ist klasse und es wird ausgelassen getanzt. Auch wir verstehen schnell und bieten nach einigen Zwischenrufen eher den Beat zum Tanzen, statt ein bisschen Backround zu den neuen Texten. Ballern ohne große Worte durch das – Zitat Mario – „ja wohl megageile Set“. Nur ein Swiss + die Andern-Shirtträger unter den ca. 50 Menschen bekommt noch eine deutliche Ansage vor den Latz geknallt. Ein ganz okayer Auftritt, aber das „ja wohl megageile Set“ macht sich schon jetzt in den Armen bemerkbar. Ganz schön Kraft raubend… Am Merchstand tauschen zwei junge Menschen in unserer Stickerbox Antifa-Aufkleber mit irgendeinem Spruch gegen „Stadt, Land, Volk“. Wir lieben es wenn sich Menschen für unsere Konzerte vorbereiten. Die kunterbunten Spielzettel finden an allen Orten ganz guten Anklang, auch wenn manch eine_r Probleme mit dem Alternativfeld hatte. Von den ausgefüllten dürft ihr übrigens gerne ein Foto an uns schicken! Eine stressige Besucherin mit coolem Cantona-Shirt will irgendwann später noch den „ganzen verfickten Scheiß-Studiladen anzünden“, wenn die „Wanker“ ihr nicht ihren „Stift wieder hergeben“, mit dem sie echt überall am rumkrakeln war. Unter anderem auf unserem Merch. Tschuldi, aber ehrlich gesagt waren deine „Tags“ auch in unseren Augen eher Sachbeschädigung denn Kunst! Die Luftballons mopsen wir und packen sie heimlich mit ein. Die Crew der Metalveranstaltung tags drauf baut bereits dreieinhalb Meter hohe Boxentürme auf. Wir verabschieden uns herzlich bei allen noch Anwesenden und sind gegen 1:30 Uhr am etwas abgelegenen Hostel Sandershaus. Trinken dort unsere letzten Nörten-Hardenberger und Warburger aus und legen uns in die frisch bezogenen Etagenbetten. Um 2:22 Uhr knipst Mario als Letzter sein Bettlicht aus. Aaaaah… gude Nacht Kassel! Schön war’s.

Freitag, 29.Juni 2018. Ein paar Stunden später gönnen wir uns das reichhaltige vegane und Käse-Frühstück an der Hostelbar. Sagen tschüss und fahren rückblickend um 11:22 Uhr vom großen Parkplatz runter. Denn exakt um 11:26 Uhr lässt Mario sich „eher günstiger“ fotografieren. 2:0 kurz nach Beginn der zweiten Tourhalbzeit. Beim Fußball ein psychologisch guter Zeitpunkt. Da behält sein BRAVO-Horoskop in Punkto Finanzen tatsächlich recht. 12:40 Uhr. Kleiner Traditionszwischenstopp „Am Haarstrang“. Der einzige Fußballfan an Bord schwelgt in blau-weißen Kindheitserinnerungen. Ab jetzt hält Mario für Radarkontrollen einen der Melonenballons griffbereit. Wir fragen uns im zäh fließenden Verkehr auf der A1, ob sich rot-weiße Bulli-Fahrer_innen eigentlich auch grüßen… jep, tun sie. Oris Bulli-Forumfriends sind töfte. Steuern in Kalk wie gewohnt erstmal das Höhenbergbad an. Mario und Ori wollen noch mal plantschen. Stemmi steigt am Wiener Platz aus, um die BFF zu besuchen. Bis später am Sonic Ballroom… Neiiiiiin! Beim Öffnen des Kofferraumes büxt gleich mal einer der Ballons aus. Wir laden etwas geknickt unsern Kram in den dunklen Laden. Der Soundcheck mit Roman läuft rasch ab. Wir hauen ein paar Stencils an die wenigen freien Wandflächen und Malen etwas zwischen den unzähligen Stickern und Tags, die die Backstageräume im 1.OG zieren. 19 Jahre Kölner Punkrockgeschichte sind hier dokumentiert. Zu essen gibt es vegane Wraps, scharfen Blumenkohl und andere Sommersalatgeschichten. Legger! Danke fürs Zubereiten! Jule und Marios reicher Onkel aus Amerika sind auch längst da. Mit Pinguin Flugschau (Obacht: FB-Link!) machen wir kontinuierlich das für uns bereitgestellte Gaffel Kölsch leer. Auch die vier netten Kölner gibt es noch nicht ewig, sondern erst seit 2015. Ihr Kölsch inspirierter Punkrock geht in Richtung Supernichts-Knochenfabrik-Incoming Leergut und lässt sich gut hören. Von den garantiert 100 Menschen aus dem Biergarten schauen sich danach tatsächlich gut die Hälfte unseren dreiviertelstündigen Auftritt drinnen an. Es ist brütendheiß und der Schweiß tropft auf unsere Fußpedale. Auch die Ansagen laufen flüssiger als die Tage zuvor. Wir liefern einen guten Gig (=mit eher weniger Verspielern) ab, der von Stephan netterweise für punkshows.de mitgeschnitten wurde und dort demnächst etwas gekürzt zu hören sein wird. Zugabe gibt es aber keine mehr heute. Respekt an alle Saunagänger_innen für euer Interesse! Am Merchstand stellt sich uns der freundliche Triebi vor. Er war heute hier um einen Konzertbericht für das OX zu schreiben. Da sind wir mal gespannt. Den restlichen Abend verbringen wir zwischen unterschiedlichen Leuten an verschiedensten Punkten im Biergarten. Nach nur einer Runde der lokalen Schnapsköstlichkeit (Sünner Doppelkorn), plus einem letzten, warmen Gin Tonic mit DJ Berny am Tresen, stolpern wir nach und nach die Treppe rauf. De Notis gonn jetz schlofe, gode Naach Kölle!

30.Juni 2018. Am Samstagmorgen werden wir von unserer RilRec-Labelchefin Schlossi mit einer Fragen-SMS zu Kaffee und Katzenallergie geweckt. Wir vertrödeln etwas die Zeit mit Schnack, spärlichem Frühstück und dem Schließen von Erinnerungslücken. Beim Einladen nutzt auch der zweite Ballon seine Chance und macht sich vom Acker. Egal. Kondition und Hitze machen uns grad mehr zu schaffen. Um kurz vor 11 Uhr geht es los zum Lentpark nach Nippes, wo Ori und Mario ihr wisst schon. Mit Thomas und Wiebke werden Seestern-Pirouetten auf der Wasserrutsche gedreht. Stemmen fährt derweil mit dem Bulli weiter vor die Domstadt zu einer anderen guten ihr wisst schon. Aus dem ausgemachten Treffpunkt „14 Uhr am Lentpark-Parkplatz“ wird wegen nicht vorhandener Navi-App leider 14:40 Uhr am Weinmuseum nahe der Zoobrücke. Rotzdem machen wir selbstverständlich einen kleinen Tourschlenker über Witten und besuchen den „RilRec-Chef der Herzen“ samt Herzdame in der „The Curly Cow“. Stellen uns Probeweise schon mal dumm für unser LP-Releasekonzert Ende September zwischen den Tischen auf. Joa, könnte passten. Die begehrten „Kein-Jäger-Schnitzel“ mit Pommes und grandioser(!) Knoblauch-Mayo und ein Classic Burger werden genüsslich verzehrt. Wir sehen wohl genauso kaputt aus wie wir uns fühlen. Beim Bezahlen berühren wir noch Veronas Rechnungszettel (lest Maks Story im Plastic Bomb #103 auf Seite 53!) und gurken nach einem guten Stündchen weiter zum eigentlichen Ziel Schwerte. Beim DLF-Streitgespräch fällt der schöne Satz „der Tourismus hat mehr Venezianer ausgerottet als die Pest!“. Nach der darauf folgenden Rezension, respektive Sezierung des neuen Drake Doppelalbums wollen wir Jürgen anschreiben, dass er auch dem Deutschlandfunk eine Promo-CD zuschicken soll. Trotz allem sind wir frühzeitig an der Friedrich-Kayser-Schule und dürfen sogar auf dem Lehrerparkplatz parken. Das Rattenloch befindet sich in den Kellerräumen. Neben leckerem Veltins gibbet hier natürlich auch Hansa Pils. Am veganen Chili mit Fladenbrot darf sich später jede_r bedienen. Kommt gut als Nachtisch, Dankeschön fürs Kochen! Nach und nach trudeln Stemmens Sauerländer Homies H!nk Hell und Tobi ein. Und dann auch Fö, Schlossi und Kiki von Bierschinken, die heute diese Veranstaltung veranstalten. Am kleinen RilRec Plattenstand stellt sich der 17-jährige Gruftpunk Simon uns allen einzeln per freundlichen Handschlag vor. Er fängt dann mit Stemmen einen Small Talk wie folgt an: „In den USA da ist ja jetzt Donald Trump Präsident…“ und fragt unzusammenhängend direkt darauf, ob unser Gitarrist sich mit Whiskey auskennt. Bislang hätte er wohl schon Wodka, Korn, Bier und weiteres probiert… öhm… wann beginnt eigentlich unser Soundcheck? Soundmensch Gerrit nimmt sich Zeit mit uns. In regelmäßigen Abständen kommen die Mitglieder von Automatic Restarts durch den Eingang neben der Bühne und begrüßen uns. Nur einer muss dringend erstmal kacken. Der andere Gitarrist säuft beim Soundcheck und ihrem Auftritt nacher dann insgesamt fünf 0,5l Dosen Bier-Cola-Mixgetränke. Macht er immer so, er müsse jetzt aber auch erstmal pissen. Ha ha. Eine eher ältere Frau mit Baseballkappe und einem Jutebeutel voller Bierchen schaut uns zu. Sie weist mehrfach darauf hin, dass es eigentlich schon um 19:30 Uhr hätte losgehen sollen. Und meint Mario sähe aus wie einer von den Prinzen. Und sie müsse es ja wissen, denn sie ist Fan von denen. Vor dem Auftritt spielen wir ein paar miese Runden Besenstill-Billard. Die eher ältere Frau mit Baseballcap fragt nun, wo denn „der kleine Dicke“ ist. Wir wären eben doch noch zu dritt gewesen. Das Konzert der fünf Bochumer Jungs schauen wir uns quasi sitzend vom Beckenrand an. Hier im Keller war früher nämlich mal ein Schwimmbad. An zwei Seiten führen mehrere Stufen runter ins einstige Becken auf die jetzige Tanzfläche. Geboten wird größtenteils technisch anspruchsvoller Highspeed-Punkrock, der echt gut gefällt. Da spielen auf jeden Fall keine blutjungen Anfänger mehr. Vor unserem ersten Ton stellt Stemmen alias DJ Bash!boy (nicht „DJ Stemmen“!) in Anwesenheit von Bierschinken-Schmierfink Kiki kurz klar, dass am ersten DJ-Abend beim diesjährigen Rock am Berg Festival der eine Kacksong natürlich von Kollege H!nk Hell und nur in Schalker Abwesenheit gespielt wurde!! Er war in dem Moment extra pissen gegangen. Dann legen wir uns ein letztes Mal und so gut es eben geht für den Pott ins Zeug. Bei der Stelle wo im Song „Partyhut“ mehrfach „Partyhut“ geschrieen wird, reißt der Gitarrengurt. Geistesgegenwärtig ziehen Drummer und Bassist den Part spontan in die Länge, bis alles wieder repariert ist. Stolz klatschen wir uns danach ab. Später, beim Schluss von „Zigarettenautomatin“, reißt übrigens auch noch die D-Saite und die Ersatzgitarre kommt zum Einsatz. Eine andere ältere Frau bettelt jetzt nach jedem Song um Stemmis Angeschissen-Shirt. Der lässt sich allerdings nicht noch einmal verarschen, wie nach dem Wien-Konzert im Oktober 2016. Ein Typ filmt derweil die ganze Zeit nur unsern Drummer. Er kommt mitten im Set sogar hoch auf das Schlagzeugpodest, um ihm auch noch mal persönlich seine Hochachtung für Marios Handwerk auszusprechen. Die wild pogenden Kidpunks hauen bei „Motivationshilfe“ allesamt nach draußen ab. Ist ihnen wohl zu langsam. Für die Zugabe übergeben wir unsere Instrumente dann kurzerhand an die erstbesten Freiwilligen, die für richtig coole fünf Minuten die Open Stage entern. Nur Simon kommt leider etwas zu spät. Ori nimmt ihm die Drumsticks gleich wieder weg. Wir sind oppe und bauen ab. Instrumente und Merch waren damit auch gemeint. Danke Fö für die Einladung! Danke an Gerrit für den Sound! An den Kunterbunt e.V. fürs Halten der Stellung seit inzwischen schon 30 Jahren! Und an alle Besucher_innen für den echt lustigen Abend! Dat is mein Revier! Anschließend schwelgen die Sauerländer noch in alten Sufftour-Erinnerungen. Stemmen war vor 15 Jahren hier im Jugendkulturverein eine Zeit lang nämlich sogar auch mal Karteileiche. Und Kiki hat als Baby tatsächlich noch im Wasserbecken geplanscht. Wie schon tags zuvor erklären wir abermals jemandem, warum wir niemals mit im Clochard auf der Reeperbahn spielen würden. Verabschieden uns von den Restarts. War ein schöner Abend mit euch, danke! Schlossi fährt mit uns mit und weist den Weg zum Schlafplatz in DO-Körne. Die letzten Biervorräte teilen wir unter uns auf und werden mit der schlimmen Realität hinter den Faultierfarmen in Costa Rica konfrontiert. Danach gehen alle traurig schlafen. Es ist auch bereits wieder 3 Uhr und Juli dazu. Gute Nacht!

Sonntag, 1.Juli 2018. Gegen 9 Uhr knittert sich als Letzter auch Stemmen von der Katzendecke. Frühstück mit der am weitesten entfernt wohnenden unserer drei RilRec-Labelchef*innen. Als Kiki um 9:45 Uhr von seiner Laufrunde zurückkommt, entdecken Mario und er, dass sie beim gleichen Unternehmen angestellt sind. Bei der Abfahrt begegnen wir ein paar dieser verirrten Pokemón-GO-Jäger_innen vom gestrigen Megasuchevent im Westfalenpark. Wir sprühen eine in Kassel gefundene Pokeball-Schablone an die Laterne vorm Haus, um die Freaks noch weiter zu verwirren. Tschüss ihr Lieben und danke für den tollen Abend, Unterkunft, Essen und alles andere! Auf der Rückfahrt hören wir gleich noch mal das Fast Sluts Demo. Sie sind immer noch sehr gut. Girls, was ist nun mit dem gemeinsamen Weekender nächstes Jahr? Nehmt ihr uns mal mit? Support your local boybands und so… ;-) Die Rückfahrt verläuft glücklicherweise unspektakulär. Mario wird nicht mal mehr geblitzt. Und Stemmen überlebt tapfer den Besuch einer Raststättentoilette, die kurze Zeit später von mindestens vier Busladungen Schulkinder und Rentner_innen auf einmal überrollt wird. Ihm gelingt es im Gegenstrom sogar noch drei Magnum für uns aus der Kühltruhe zu fischen. Für Ori gibt es auch hier keinen Flutschfinger. Kackitage. Wir beschließen dass ab der nächsten Reise auch unser_e Fahrer_in die exakte Arbeitskluft des Busfahrers eines unbekannten „Blaskapellen Musikkorps“ zu tragen hat. Er sitzt aufrecht mit Schrägbalken-Schlips, blütenweißem Hemd und cooler Pilotenbrille am Steuer. Edeler Kerl. Eine knappe Stunde vor Hamburg fällt uns auf, dass wir nicht einmal selber „Statt Land: Stuss“ gespielt haben. Auch egal, holen wir nach. Um kurz nach 15 Uhr sind wir wieder am Proberaum. Die erste Reise im neuen Tourgefährt endet hier. Es war toll. Doch wir sind echt platt wie selten zuvor. Nach der Sommerpause geht es weiter mit der brandneuen Scheibe. Gibt zuhause jetzt erstmal Pizza für alle. Guten Hunger! Die Notis sagen danke, tschüss und…