„Letzter Akt vor Neuinszenierung“ – das komplette T o u r d i a r y

Mittwoch, 5.Oktober 2016. Start der „Letzter Akt vor Neuinszenierung“ Herbst-Tour. Der Abschluss unserer eineinhalb jährigen Reise mit der „D.D.D.“ LP im Gepäck. 2017 schreiben wir Album Nr. 3. Und das erstmals nur zu dritt. Livekonzerte wird es nächstes Jahr deshalb eher selten geben. 10:45 Uhr: Treffen am Proberaum. Den 8-Sitzer beladen. Ori wird abgefeiert. Sein Tourrider ist diesmal sogar bebilderten. Alle so „Yeah!“ Stemmen wird bemitleidet. Schnittverletzung am Finger und verrenkte Schulter. Und alle so „Oooooh!“ Mario wird beim Zusammenpacken gefragt, wo der nur einmal benutzte Teppich für sein Schlagzeug ist? Kein Kommentar. Nicht ganz genau 11:11 Uhr. Helau! Auf nach Mainz. 230km später erste Pause. Rastplatz „Am Bierberg West“. Das Tourlogo in Rot auf die Heckscheibe gesprüht. Die hauchdünne Schablone funzt. Und fliegt gut. Beim nächsten Kurzhalt (Jemand hat Durst und braucht ein Wassereis) verzocken Ori und Mario 4€ am Greifautomaten. Wir sollten die selbst auferlegten Sanktionen (nur Eis, Kaffee, Tabakwaren, großer WC-Besuch, Zeitschriften + Kuscheltiere!) für das Einkaufen an Tankstellen abermals verschärfen. Ca. 17:15 Uhr: Ankunft am kunterbunten Haus Mainusch. Steht seit Ende der 80er mitten auf dem anscheinend komplett umzäunten Unigelände. Erste Runde Hansa Pils mit Chefkoch Daniel. Die NPP-/Peter Pan-Schablonen am Eingangszaun ausprobiert. Funzen och! Gastgeber Chris von RASH Mainz be- und ihn von Tanio gegrüßt. Wir laden aus, um auch endlich die Kick mit dem LAvN-Logo zu besprühen. Graffitifieber. Daniel erklärt uns beim Zubereiten von megaleckeren(!) veganen Burritos(!!), warum es in Mainz mal blaue mal rote Straßenschilder gibt. Die blauen laufen parallel zum Rhein, die roten auf den Fluss zu nämlich. Der Kickertisch klebt leider. Steht laut der aufgeklebten Wasserwaagen aber perfekt im Lot. Die netten Meenzer Punkrocker von The Lo-5ives spielen nach einem Jahr Proberaum hier und heute ihren ersten Gig. Toi! Toi! Toi! Punkt 21 Uhr legen die Fünf los. Skandinavisch angehauchter, wirklich sauber gespielter Garagepunk. Das Haus ist mit 30-40 Menschen gut gefühlt. Kurzer Linecheck dann für uns. Tontechnikerin Sonja gibt das Go. 22 Uhr: Auf die Stunde genau 175 Jahre nachdem Hoffmann von Fallersleben sein „Lied der Deutschen“ erstmals öffentlich gesungen wurde (in HH übrigens), starten wir mit „Antiaging“. Lassen schlussendlich noch 19 Songs und Ansagen gegen Patriotismus, Antisemitismus, Leitkultur, AfD, Zoos & Zirkustierhaltung, Gentrifizierung, Stadtmarketing, Polizeiapparat, Grauzone, Unterbezahlung, Perfektioinsmus, Altpunkgeschwafel, Arschlöcher im Allgemeinen und den Winter folgen. Solider, knapp einstündiger Auftaktauftritt. Dazu noch „Rackerbaste“ und „Astropunks“ von Loser Youth als herbei geklatschte Zugaben. Um 23:20 Uhr ist alles vorbei. Einladen. Reste der Burritofüllung abstauben. Gemeinsames Foto. Die wenigen noch freie Stellen zustickern. Wir schließen den Laden um kurz nach Mitternacht mit ab. 20 Min. später sitzen wir mitten in der Innenstadt in der „Dorett“, einem immer noch rot ausgeleuchteten, ehemaligen Stripclub. Bosch Pils und hausgemachte Schnäpse. Okaye „Sexycaner“ und süße „Bärbelchen“ (Maracuja Likör). Um 2 Uhr endet Tourtag 1 für uns nebenan auf Betten in Chris‘ WG.

Donnerstag, 6.10.2016. Rückwärts geschrieben übrigens 6102.01.6, ha ha. 8:30 Uhr: Aufstehen. Juhu, „Offday“! Erstmal zu REWE. Und warten auf das geplante Frühstück mit dem wahrscheinlich verkaterten Skinhead. 10 Uhr: Abfahrt ohne persönlich Tschüss zu sagen. Hinterlassen natürlich eine handschriftliche Nachricht. Dickes DANKESCHÖN für den gelungenen Abend, Mainz! Nach kurzem Frühstück am Bus tanken wir so teuer wie möglich in Wiesbaden. Klappt. Auf nach Tschechien in die für heute angemietete Ferienwohnung. Ähnlich wie gestern liegen um die 560km vor uns. Mario fährt erneut das erste Stück. Er und Ori starten etwas halbherzig das Spielchen mit dem Burgen zu erst erblicken. Die Elfe hat diese Reise kein Bock. Nutzt derweil lieber die Freiheit der Rückbank und beklebt weitere Streichholzschachteln einzeln mit dem Tourplan und einem Dankeschön an alle Gewalttäter_innen Links. Unser Umsonst-Gimmick für diese Tour. Wir hören vor allem belangloses Lokalradio. Und die sehr coole, neue Schwach-LP! Der vorab festgelegten „Nicht-Punk-Musikauswahl“ wird heute, anders als gestern, keine Beachtung geschenkt. 16:33 Uhr: Im Nieselregen überqueren wir die Grenze zur Tschechischen Republik. Insgesamt der fünfte Länderpunkt für NPP. Eine Stunde später Ankunft im Wassersportparadies Lipno nad Vltavou. Mario hat uns eine feine Ferienwohnung gebucht, mit fettem Blick auf den Stausee. Kurz vor Ladenschluss noch schnell im Coop ein paar Pilsener Urquell, Cider und Frühstück für morgen gekauft. Gegenüber Pizza gegessen und den restlichen Abend am Küchentisch rumgechillt. Gute Nacht!

Freitag. 7.10.2016. 8:30 Uhr. „Dobrý den!“ Wir frühstücken. Gehen im Hallenbad nebenan ein Stündchen schwimmen und genießen den Whirlpool. Punk deluxe, Aller! Fahren im örtlichen Funpark anschließend eine Runde Bobovka und mit dem Lift rauf auf den Berg. Krackseln die Holzrampe hoch zur Aussichtsplattform Steza korunami stromû. Kackwetter, aber echt cool hier! Um 13:20 Uhr Aufbruch nach Vienna. Kurz vor der Landesgrenze erwischen wir fast ein schwarzes Eichhörnchen. 13:51 Uhr: „Sbohem Czech Republika!“ Wir juckeln gemütlich über unspannende, niederösterreichische Dörfer. Halten an mehreren Baumärkten und finden beim dritten Stop auch endlich einen Rasenteppich für’s Schlagzeug. Das Burgen-Spielchen wird ernster. Es entwickelt sich erstmal eine grundsätzliche Diskussion über die nie wirklich festgelegten Regeln. Stemmi startet parallel dazu alleine seine eigene Spielversion mit Stadien und Sportplätzen und liegt schnell uneinholbar in Front. Um 17 Uhr parken wir den Bus auf dem Parkplatz vor der Arena im öden Stadtteil Sankt Marx. Direkt hinter dem großen Bus samt Anhänger der schwedischen Metalheads Katatonia. Die spielen heute Abend ebenfalls auf dem weitläufigen Arena-Gelände. Allerdings in der Großen Halle links neben der noch größeren Open Air Bühne. Wir dürfen später gegenüber im etwa 150 Personen fassenden „Dreiraum“ auftreten. Laut Internet soll dieser auch bereits ausverkauft sein. Früher war das alles hier übrigens mal eine Großschlachterei, existiert aber schon seit Anfang der 70er als Kulturzentrum. Da uns niemand wirklich erwartet, latschen wir erstmal zu einem Billa Markt um Bier zu kaufen. Bei unserer Rückkehr trifft auch grad die Kombiladung aus Klagenfurth ein. Die Begrüßung mit Mani, Patze und Dani von Missstand samt deren Begleitern Schlukas und Grille fällt sehr herzlich aus. Wir freuen uns alle derbst auf die kommenden, drei gemeinsamen Tage. Ein in eine Schweden-Fahne gehüllter Katatonia-Fan begrüßt unsere Runde und erzählt ungefragt etwas von sich und seiner Musikleidenschaft. Vor dem Eingang hat er einen Stand aufgebaut, an dem er per Mikrofon die Arena-Besucher_innen begrüßt, unterhält, mit Pappschildern über seine miese, finanzielle Situation aufklärt und u.a. mit dem Verkauf der Straßenzeitung Augustin um eine kleine Spende bittet, weil er heute hier auf jeden Fall Katatonia sehen MUSS. (Achtung Spoiler! Die 22€ bekommt er zusammen.) Eine gute Stunde später dürfen wir auch den schwarzen Kleinbus von Alarmsignal samt der etwas geräderten, 5-köpfigen Besatzung begrüßen. Da ihr Vortagsauftritt in einer Prager Kneipe vom Veranstalter blöderweise vorgestern gecancelt wurde, sind sie nun direkt aus Celle und über Leipzig angereist und waren satte 11 Stunden unterwegs. Die Zeit bis zum Konzibeginn überbrücken wir mit Klamotten ausladen, Merch aufbauen, Stickern und Wände besprühen. Nachdem die Elfe auf einen Tisch schwebt, um das Tourlogo in fast 3m Höhe anzubringen, steigt Sänger Steff auf den Kühlschrank und crosst die Siberian Meat Grinder unter der Decke mit ALARM SIGNAI. Dann gibt es köstlichen vegetarisch/veganen Knödel-Gemüse-Kartoffel-und-Erdnusssoße-Teller. Der Kühlschrank bietet, neben Cola-Dosen, Fanta, Sprite und Mate, leider nur echt nicht leckeres Dosenbier der Marke Zwettler. Beinahe wie vorgeschrieben starten Missstand um kurz nach 21 Uhr. Die drei Sweethearts unterhalten zwischen ihren Mitgröhlhits gekonnt mit vielen, amüsanten Ansagen und werden zurecht gut abgefeiert. Dann dürfen wir auf die angenehm kleine Bühne. Der Raum ist proppevoll und nach wenigen Minuten wird getanzt, zeitweise pogt sogar der halbe Zuschauermob! Bilder, die wir Drei sicher niemals vergessen werden. Echt unbeschreibliche Szenen. 1000 Dank ihr durchgeknallten Wiener_innen! Wir rauschen euphorisch durchs Set. Schon bei der Ansage zur „Zigarettenautomatin“ fordert eine Krankenpflegerin Stemmi auf sein, selbst bemaltes EA80-Longsleeve gegen ihr ödes Funshirt zu tauschen. Um der angedrohten Prügel ihrer renitenten Punkerfreundin zu entgehen, wird er ihr auch eines malen und zuschicken. Versprochen! Nach einer Dreiviertelstunde sollen wir noch „Tellerrand“ nachschieben. Mischer Zottel nickt die Zugabe ab. Danke auch an dich! Alarmsignal reicht dann schon das Intro für den Soundcheck aus und die Kids drehen endgültig durch. Nahezu jede Zeile wird lauthals mitgesungen. Dazu Bierspritzereien, wilder Pogo, Stagediving und auch Patze versucht sich mal beim Crowdsurfing. Ey was‘n hier los? Wir verticken nachher noch gut Merch, ernten supernette Komplimente, trinken okayes, selbst gekauftes Pils von der Bar und kosten einfach den Moment. Leider müssen Ori und Rio eine Einladung zu einer rechtslastigen Skinheadparty ausschlagen. Bieten dem Vollidioten daraufhin Schläge an, wenn er nicht das Weite sucht. Und er findet den Ausgang. Irgendwann später fangen wir entspannt an wieder einzuladen. Katatonia wollen da grad im Rückwärtsgang den Parkplatz verlassen. Remember, mit Anhänger dahinter. Beim Wendemanöver vor der Schranke keilt die Fahrerin das lange Gefährt zwischen Zaun und Bordsteinkante vor‘m Gebäude ein. Die folgenden, fast einstündigen(!) Bemühungen den Karren durch Vor- und Zurückfahren irgendwie um den Schrankenpfeiler zu manövrieren, verfolgen wir zugegebenermaßen immer vergnügter. Die Metalheads chillen derweil wenig hilfsbereit im Innenraum. Männer! Irgendwann bieten wir an zumindest mal eben den Anhänger abzukoppeln, aber sie „needs the practice“. Mit knackender Achse und splitterndem Lack schafft sie es später auch noch. Wir wünschen eine gute Weiterreise! Schlafen werden wir über dem „Beisl“, einem weiteren, größeren Konzertraum. Die anderen beiden Bands kommen zusammen im so ausgeschilderten Verwaltungsgebäude unter.

Samstag, 8.Oktober 2016. Zwischen 9 – 10 Uhr treffen alle Mann mal mehr mal weniger verkatert im Arena-Innenhof ein. Missstand schlagen ein Katerfrühstück, respektive Mittagessen im wohl „besten veganen Restaurant Österreichs“ vor, welches fast auf der Strecke liegen soll. Klingt gut. Wir holen uns ein paar Brötchen von der Tanke nebenan. Und lernen einen Hund namens BMW kennen. Am Parkplatz teilen wir uns erstmal auf. Die Notis fahren zumindest kurz in die Stadt rein. Die anderen fahren schon mal Richtung Restaurant Schillinger. Wir finden tatsächlich einen freien Parkplatz im Zentrum. Und Mario an einer der ersten Ampeln ein sehr hartes Bass-Plektrum. Er packt es freudig ein. An der nächsten Ampel löst er nahezu begeistert ein Spanngummi vom Mast: „Eine Wäscheleine! Wie geil ist denn Wien bitte?“ Die sicher auch kostenlosen Dachlatten und die Kreissäge vor einer Bar lassen wir aber für wen anders liegen. Wir laufen eine kleine Tourirunde durch Wiens protzig-prunkvolle Innenstadt. Auf dem Weg vorbei am Stephansdom, dem Parlament, Hofburg und Burgtheater etc., überkleben wir Anti-Flüchtlings-Propaganda der Identitären und anderen Vollpfosten. Entdecken allerdings wesentlich mehr Anarchosticker. Und überall teils lächerlich-martialische Rapid-Folklore. Danach machen wir uns auf den Umweg ins knapp 40 Min. nordöstlich von hier gelegene Kaff Grossmugl. Treffen uns dort wieder mit den bereits vollgestopften anderen Punkern. Das Essen ist tatsächlich megagut. Wir teilen uns zu dritt die „Hausplatte für drei“. Vor dem Laden hält Reni dann den Durchgangsverkehr an, um auf das große Gruppenfoto alle mit drauf zu bekommen. Da bei uns mehr Platz als im Kombi ist, fährt Patze bis Linz mit uns mit. Er schlummert ziemlich schnell ein. Kommen gegen 16:30 Uhr an der Kapu an und dürfen endlich wieder die gute Nicole in unsere Arme schließen. Wir entern den inzwischen auch unter der Decke komplett zugemalten Backstageraum im dritten Stock unter‘m Dach. Finden aber noch eine gute Stelle für das LAvN-Stencil. Zuden wird bis 12-2018 ein kleiner, freier Fleck an der Wand reserviert. Eine Elfe wird diesen bis dato vor Schmierfinken bewachen. Es gibt lecker Kartoffelsuppe von Nicoles Mama. Und Lasagne mit Salat. Mächtig köstlich und sehr sättigend. Danke ans Kochteam! Zeichenkünstler Bulli kopiert dann die Selbstportrait-Idee von Hey Ruin im Kapu-Gästebuch. Wir posten einen Schnappschuss davon auf deren FB-Seite. Mit Androhung einer Plagiatsklage. Die Band aus Köln liked dies ziemlich schnell, auf eine weinerliche Antwort warten wir aber satte 4 Stunden. Voll die Lappen! Um 22:15 Uhr starten abermals Missstand. Während wir die letzten paar Stunden oben rumgehangen haben, hat sich der Konzertraum im EG randvoll gefüllt. Krass. Sogar noch mehr Gäste als beim letzten Mal. Mischer Jürgen, alias Jürxn oder „Jay-Jay“, wie wir ihn einfach nennen, und Tontechniker-Lehrling Tom zaubern standartmäßig wieder einen Supersound. So ein Soundcheck kann schon was. Um 22:37 Uhr ist plötzlich der ganze Laden für ein paar Minuten dunkel. Stromausfall! Kurzschluss durch ein vergossenes Bier auf einer Verteilerdose. Doch auch die fast gleichzeitig dazu gerissene Gitarrensaite kann die Misssis nicht aufhalten. Mit wieder fließender Elektrizität und Ersatzgitarre ballern sie ihr Set lässig zuende. Sehr starker Auftritt, macht richtig Spaß euch zuzuhören und zuzugucken! Um kurz nach 23 Uhr dann ein etwas flüssigeres Set als gestern von uns. Es ist heiß und auch bei uns wird getanzt. Vor allem „Wäre ich früher geboren“ scheint den Ösis zu gefallen. Ach mensch, dumm dass sowas immer so schnell zuende geht. Du willst immer noch so viel sagen und abermals so vielen, tollen Leuten hier irgendwie gebührend danken. Und dann kommt schon „Keine Farben“ und es ist Schluss. Wir lieben die Kapu längst wie das Störte auf St.Pauli! Eine XXL-Packung Merci an die ganze Crew! Wir räumen die Bühne für den Hauptact frei und sammeln uns erstmal kurz am Bus, der direkt vor der Eingangstür parkt und von Punks umlagert wird. Was waren das für krasse, erste Auftritte. Drinnen haben Alarmsignal die vorwiegend junge Meute längst zum Kochen gebracht. Es tropft ohne Scheiß von der Decke! Eine nervige Besucherin unterbricht mehrfach das Konzert, um sich bei Steff persönlich ihr Lieblingslied zu wünschen. Drummer Kühn überbrückt jeweils gekonnt mit Scooter-Einlage. Alarmsignal-Mercher Reni kotzt währenddessen ein kleinbisschen hinter den Stand. Nachher wird noch mit Zirbenschnaps und Pfeffi angestoßen und sowieso sehr viel gelacht. Gegen 1:45 Uhr macht uns noch ein großgewachsener Mittvierziger in schönstem Linzer Dialekt (sinngemäß) folgendes Kompliment (glauben wir): „Ich bin echt nicht fit und dachte beim Tanzen, dass ich das nur kurz durchhalte. Aber ihr habt mich so ungehauen, dass ich mehr als fünf Songs am Stück durchgehalten habe. Das war besser als Schwimmen.“ <3 Über den Frei.Wild-Armbandträger möchten wir hier nix stehen sehen. Weit nach Mitternacht verabschieden wir uns nach und nach von Steff, Reni und später auch dem Rest von Alarmsignal. Sie wollen frühzeitig los, den langen Weg zurück nach Celle. Nur Bulli wird uns noch ein paar Tage begleiten. Er zockt mit Disco//Oslo am nächsten Wochenende auf dem „Seewinkel Noise Factory DIY-Festival“ in Wien und verweilt im Süden. Es war uns ein großes Vergnügen mit euch alten Recken die Bühnenbretter und Backstageräume geteilt zu haben! Auf jeden Fall gerne wieder! Stemmen, Borsti, Kühn und Lukas philosophieren noch bis 4:30 Uhr über Punk, Grauzone, den Nachwuchs und Subkultur überhaupt. Gute Nacht ihr Freaks! Und gute Rückfahrt!

Sonntag, 9.Oktober 2016. 8:50 Uhr: wir werden von lauter Handymusik geweckt. Patze, Dani und Grille hatten sich noch mit Bekannten ins Linzer Nachtleben aufgemacht und kommen grad „zur Ruhe“. Sie schlafen alle Drei samt Handy aber ziemlich schnell ein. Jedenfalls soeben noch innerhalb unseres Toleranzbereiches. Der Plan von Alarmsignal scheint funktioniert zu haben. Sie sind wohl tatsächlich um 7:50 Uhr abgedampft. Pünktlich um 10 Uhr kommt Nicole und bereitet das Frühstück zu. Wir schmieden Zukunftspläne und halten alles in einer Kapu-to-do-list fest: finaler NPP-Jutebeutel-gegen-Kapusticker-Austausch. Dann Kontaktwiederherstellung mit den genialen STRAhLER 80, die in der Reunion der Linzer Punkband enden muss und solche Dinge halt. Beim Begutachten unserer schönen Händen kommen wir übrigens noch auf den guten Albumtitel „…von Palmolivehänden & Blumenkohlohren.“ Hat was. 12:45 Uhr: Nachstellen des letztjährigen Gruppenfotos vor der Kapelle. Wehmütig verabschieden wir uns und laden Nicole nach Hamburg ein. Du bist echt die Beste! Wir machen uns hupend auf nach Graz. Durchfahren wunderschöne, alpine Bilderbuchtäler. Bulli seine Geschichten aus Hannover-Stöcken bilden dazu ein ungeschöntes Kontrastprogramm. Wir zahlen mehrfach Maut. Lassen uns vergnügt über das Radio von Oris Handy aus den ersten Teil des Tourdiarys vorlesen. Und kämpfen beim Durchqueren eines Autobahntunnels panisch mit einer Wespe im Wagen. Um 15:30 Uhr können wir direkt vor‘m Sub parken, weil Missstand für uns eine Lücke besetzt haben. Dankeschön! Zur selben Zeit reisen auch die Lübecker James First an. Kurze Begrüßung. Wir gehen gleich los was essen. Am Hofplatz von Gradec feuern wir schnell noch frenetisch die letzten drei Marathonläufer an, die ein Sicherheitsfahrzeug langsam vor sich her treibt. Kurz drauf bestellen wir Saitan-Käse-Burger und riesen Hotdogs mit Salat und Fritz Kola im rein veganen Cafe Grün. Fazit: top! Trotz meganervigem Hintergrundgedudel. Danach geht es mit der Schlossbergbahn steil rauf auf den… na…? Genau, Schlossberg! Oben angekommen machen wir die gleichen Touri-Schnappschüsse wie im letzten Jahr. Den imposanten Rundblick über die ganze Stadt genießen wir vollends und kuscheln vor romantischer Herbstkulisse. Und werfen Steine in den anscheinend wirklich 94m tiefen, laut Tafel so genannten „Türkenbrunnen“. Fasziniert hängen alle am Brunnenrand und warten jedesmal gebannt auf das echt späte Aufprallecho. Kinder! Dann geht es per pedes die engen Gänge und Stufen zurück nach unten und zum Sub, wo wir mit unseren Freunden von Missstand gleich deren 200stes Konzert feiern werden. Im Laden werden wir natürlich erstmal wieder Mitglieder im Comunikai e.V. Zu Essen gibt es dem Abendmotto entsprechend selbstverständlich vier Bleche voll mit Lasagne für alle. Die schmeckt übrigens wieder megalecker, Siegi! In den oberen Räumlichkeiten und auf der Terasse riecht es da schon längst wieder nach unserem roten Sprühlack. Eine Elfe wird gebeten auch noch schnell gegen den frischen Gestank im WC anzusprühen, was sie heldenhaft erledigt. Wir bauen auf. Und da wir heute endlich mal starten, kommen wir schon beim Soundcheck zu der seltenen Ehre, dass Bulli uns abmischt. Und das macht er wirklich echt total gut. Dank dir Schatz! Wir begrüßen Kevin von Antimanifest. Unterhalten uns endlich mal ausführlicher über das im Frühjahr 2018 erscheinende, neue Missstand-Album. Trinken dabei recht gutes Linzer Schützen Bräu. Eine sehr gechillte Atmo. Sonntagabend halt. Der Auftritt wird musikalisch ganz okay. Aber unser Gitarrist ist nachher schwer unzufrieden wegen seiner leicht verhaspelten Ansagen „ausgerechnet heute hier“. Dabei danken uns Missstand gerührt für die von ihm vorgetragene, kleine Rede zum 200sten Auftritt in der Pause von „Elbdisharmonie“. Lukas antwortet Stemmen, als er mitbekommt dass es für ihn nichts besonderes war, daß es ja auch nicht immer was besonderes sein muss. Also alles gut. Ach Schlukas, schön dich und Grille kennengelernt zu haben! Es folgt ein wirklich gebührender Jubiläumsauftritt der drei unbeschreiblich liebenswerten Zeitgenossen, die wir mittlerweile unsere Freunde nennen dürfen. Und da ihr ausgerechnet den ja leider nicht mehr gespielt habt, sagen wir es mit euren eigenen, weisen Worten: „Punk ist keine Phase, Punk ist man ein Leben! Wenn du sagst du warst mal Punk, bist du niemals Punk gewesen!“ Word! Nachträglich noch einmal liebsten Dank für die tollen, gemeinsamen, letzten Tage!! Zum Abschluss hauen uns James First Grimassen schneidend dann noch ein ordentliches Brett melodischen Hardcorepunk um die Ohren. Die Verrückten hatten sich vorher übrigens noch eben schnell alle das gleiche Schnapspinneken peikern lassen. Da scheint sich wer nach dem auf Eis legen der Phlegmatix gefunden zu haben. Eine echt starke, symphatische Combo, checkt die gern mal aus! Das hat Spaß gemacht. Um kurz nach 0 Uhr ist aber Schluss mit Punk und Lasagne. Verständlicherweise sind mittlerweile auch kaum noch Leute vor Ort. Es waren zu Beginn aber doch schon so 25-30. Vielen Dank für’s Rumkommen! Wir verabschieden die Misssis gen Wörthersee und James First weiter zum nächsten Tourstop ins tschechische Budweis. Viel Glück dass euch nicht noch weitere Gigs kurzfristig abgesagt werden! Siegi quartiert uns bei sich nebenan ein. Lange wach bleibt auch niemand mehr. Zuerst legt sich der etwas lädierte Ori hin, dann Mario und um 2:15 Uhr schlafen auch Bulli und Stemmi nebeneinander ein. Träumt schön, ihr Süßen!

Montag, 10.10.2016. Um 10 Uhr sitzen wir vier mit Siegi am Frühstückstisch, den er üppigst gedeckt hat. (Anm. d. Verfassers: haben echt immer noch keine Pommes gegessen, fällt mir grad ein!) Wir dürfen vorab das neue, echt gelungene Disco//Oslo Video zum Song „Kielwasser“ anschauen. Kurz nach Elf holen wir unseren Kram aus dem Sub. Stauben noch ein paar Getränke ab und sagen dankend Aufwiedersehen. Siegi, Sara und all ihr Grazer_innen, es war erneut sehr schön hier bei euch! Kurz tanken und auf in den Freistaat Bayern (BRD)! 220km sind es bis München. An Enns Imbiss machen wir kurz Pause für so ein Emobandfoto vor Alpenkulisse. Dort wo wir letzten Oktober noch neben den Bussen mit Flüchtlingen standen, denen wir mit dem einen Anruf hoffentlich irgendwie helfen konnten, halten wir nun einen lockeren Plausch mit dem gelangweilten Ladenpersonal. Wir kurven durch die Steiermark und am Tennengebirge vorbei. Bewundern sowohl die Landschaft des Tals, wie auch die massiven, teils Schnee bedeckten Bergketten. Sollen zudem erwähnen, dass Bulli derweil trotzdem auf jeden Fall am Computer am arbeiten ist! Es gibt Beweisfotos. Leider herrscht hier ein bisschen Burgenflaute. Stemmen schnappt sich dagegen nach langer Zeit mal wieder einen Sportplatz-Punkt. Die meiste Zeit hält er das Erlebte auf seiner Handytastatur fest. Ach ja, Mario fährt übrigens schon wieder. Ori durfte zwischendurch aber auch mal ganz kurz lenken. Dann durchqueren wir jenen Tunnel in der Völkermarkt, hinter dem dieses steile Bergmassiv lauert, wo die Elfe beim letzten Mal total überwältigt beinahe die Orientierung verloren hätte. (Siehe Tourtagebuch Oktober 2015!) Mit drei Handys wird gebannt die Ausfahrt filmisch festgehalten. Hat dann aber bei weitem nicht mehr den Flash, von dem wir seit dem überall ausufernd erzählt haben. Na ja. Wir halten trotzdem kurz zum Pissen an der wohl teuersten Tanke Europas. Passieren kurze Zeit später die deutsche Grenze. Verpassen dummerweise die Gelegenheit zu einen kurzen Stop am Chiemsee. Um 16:30 sind wir in München. Schon am Ortseingansschild steht eine Bullenwanne. Und kurz danach kommt uns eine Kolonne mit Blaulicht entgegen. Im Radio erzählen sie wieder was von Terrorwarnstufe. Wie von Veranstalter/Singer-Songwriter Harry Gump gewünscht, sind wir kurz vor 17 Uhr auf dem riesen „Kreativquartier“ Gelände im Stadtteil Schwabing-West. Und nach einigem hin und her fahren, undrehen und nachfragen auch am „Import Export“, der Venue für Tourgig Nr.5. Juhu, Bergfest! Als wir aussteigen fängt es partout an zu regnen. Joa servus Minga! Flott sind Backline und Merch aufgebaut und drei Soundmenschen beginnen mit der professionell dreinschauenden Verkabelung. Der sympathische Harry trudelt auch bald ein. Und nach und nach auch die Musiker_innen von Dollars For Deadbeats und Lester. Beide sind hier aus München. Der Gitarrist von Lester grüßt uns netterweise von Claas von Der feine Herr Soundso. Und wir grüßen hiermit erstmal freundlichst zurück! Zum getoasteten Abendbrot wird g’schmackige Linsensuppe mit Curry und Tahin serviert. Der Soundcheck zieht sich ziemlich in die Länge, da einem Lehrling das Handwerk beigebracht wird. Aber dafür ist der Sound in dieser recht großen Halle dann echt fett. Stemmen und seine Cousine Anja haben sich mehr als zwei Jahre nicht gesehen und dementsprechend gut was zu erzählen. Sie wohnt mit ihrem Freund Christoph seit ein paar Jährchen am Stadtrand. Beide sind heuer aber auch zum ersten Mal hier. Ori, Mario und Bulli besuchen währenddessen in einer Nebenhalle ein über vier Tage laufendes Kickerturnier, an dem viele Flüchtlinge aus den umliegenden Unterkünften teilnehmen. Wir verschieben unser bisheriges Set etwas. Werden bei dem Höllensound hier mal wieder „Monster“ probieren. Dollars 4 Deadbeats legen dann irgendwann los. Mit Sängerin Dingenskirchen (Anm. d. Verfassers: Is‘n Insider!) steht beim fünften Tourkonzert endlich auch mal eine Musikerin mit auf der Bühne. Es ist weder zu überhören noch zu übersehen, dass Kirsty und die drei Jungs gerne cooleren PunkROCK mögen. Ein wirklich abwechslungsreiches Set. Also mir hat’s gefallen. Ein Mann interessiert sich dann für unsere Meinung zur (Sub-)Kulturszene in Hamburg und unseren Eindruck über jene in München. Wir und Bulli geben ihm vor dem Eingang auf Englisch ein kleines Interview. Unterbrechen aber irgendwann, weil Lester bereits angefangen haben. Schreiben ihm nachher noch einen Link zum Gängeviertel auf. Die vierköpfige Band Lester spielt so einen punkigen Indierock mit echt schönen Kettcar-Gesangsmelodien. Und sie basteln augenscheinlich genauso gern wie wir. Echt schade dass kaum Zeit bleibt mit beiden Bands ein wenig mehr ins Gespräch zu kommen, da sich frühzeitig alle nach und nach verabschieden müssen. Tschüss und auf jeden Fall danke, ihr Münchner_innen! Es war ein sehr, sehr netter Abend! Ach so, unser Auftritt hat auch Bock gemacht, aber ohne besonders erwähnenswerte Details. Bekommen durchweg positives Feedback am gut laufenden Merchstand. Steuern den Bus bereits gegen Mitternacht zu Harrys Bude nach Giesing und lesen vom frühen Tod Tamme Hankens. Irgendwann finden auch wir noch eine so eben ausreichende Parkplatzlücke. Neunte-Klasse-Lehrer Harry verabschiedet sich schnell Richtung Bett. Er muss in wenigen Stunden wieder raus, um den Kids u.a. Ethik beizubringen. Da werden wir uns morgen früh wohl gar nicht mehr sehen. Megadickes DANKESCHÖN für dein Engagement und die komplette Orga! Das sollen wir dir auch noch von ganz München ausrichten. Die Elfe hält noch ein Stündchen am Küchentisch den vergangenen Tag auf der Tastatur fest. Gegen Drei versinken dann aber auch die Flügelchen in einer der weichen Matratzen auf dem Wohnimmerboden. Gude Nocht Minga!

Dienstag, 11.Oktober 2016. Um 9 Uhr decken Ori und Stemmen den Frühstückstisch. Wie angedroht sprühen wir dem Gumplinger unser Tourlogo an die bereits mit Bandgrüßen vollgemalte Zimmerwand. Auch Bulli unterschreibt den dazu verfassten Dankestext. NPP wieder zu viert! Zu einer kleinen Akustiksession vom neuen Lost Boy räumen wir die Zimmer auf und waschen das Geschirr ab. Stibitzen eines der rumliegenden A3-Plakate von gestern. Bauen dem zu kränkeln anfangenden Mario im Bus aus Handtüchern unterhalb unserer Wascheleine eine Art Himmelbett. Er legt sich aber doch nicht nochmal zum Schlafen auf die hintere Rückbank. Starten um 12:35 Uhr direkt nach Salzburg, anstatt in die Münchner Innenstadt. Vorbei am verlassenen, altehrwürdigen Grünwalder Stadion von Atzen60. Und sogar ohne eine befürchtete Polizeikontrolle geht es wieder raus aus Bayerns Landeshauptstadt. Voll die Lappen! Im Radio stellt jemand begeistert vegetarische Rezepte vor: „Doa Trend geht holt dahi.“ Die BRAVO-Umfrage zum Thema „Wieviel Gangster steckt in dir?“ ergibt, dass drei Homies der Kategorie „Bad Ass“ dem „Ghetto-Newcomer“ Mario noch ein wenig Style beibringen müssen. Ist gecheckt, Bro! Bulli wird beim Versuch schnell eben am Rande einer Tanke zu pinkeln von einem aufgebrachten Typen verscheucht. Er muss das WC benutzen. „Solche Leute wie euch können wir hier nicht gebrauchen!“ pöbelt uns der Typ auf bayrisch an. Spinner! Wir versuchen vergeblich ihn noch a bisserl weiter zu provozieren. Aus Trotz bekleben wir vor der Weiterfahrt ein Tankstellenschild. Ätsch! Passieren die Ausfahrt zum Dokumentationszentrum Obersalzberg. Kommen um 14:20 Uhr in der Heimatstadt vom SV Austria von 1933 an. Merke: Fußballfans trinken kein Red Bull! Parken quasi bei Mozart vor‘m Wohnhaus. Weil wir natürlich nix besseres finden, gibt es auch diese Reise nochmal die versalzburgten Pommes Rot-Weiß bei Herta, nahe der Augustinerbier Brauerei. Nur die bereits aus der stinkenden Butze heraus torkelnden Stammgäste sind hier noch herta als wir. Dann der Schock als… (zw. 16:08 – 19:17 Uhr fehlt das Protokoll) …Krasse Erfahrung auf alle Fälle! Sowas hatten wir bislang auch noch auf keiner einzigen Reise. Aber egal jetzt. Gegen 19:20 Uhr treffen wir uns alle zum Glück am Laden wieder. Es regnet schon seit zwei Stunden. Das Haus in der Nonntaler Hauptstraße 1a ist von außen eher unscheinbar und die geschwungene Steintreppe zur voll gestickerten Eingangstür recht gut zu verfehlen. Gehörsturz aus dem bayrischen Freilassing sind bereits da. Gegenseitige Vorstellungsrunde und reges Treiben im Raum mit Theke. Informieren uns bei Pittinger Dosenbier erstmal etwas über das selbstverwaltete Raumprojekt hier. Sprühen unser Tourlogo auf eins der Unisex-Klos. Zu Essen stehen Nudeln mit Soße bereit. Und bereits um 20:45 Uhr scheppern die vier Teenage-Punks von Gehörsturz los. Neben ein paar Anwaltskanzleien, wohnen oben drüber halt noch normale Leute. Mit dem ersten Ton drehen ein paar Jugendliche vor ihnen durch und zappeln wie in einem Sex Pistols Video. Nur schneller. Spätestens nach der lakonischen Begrüßung und der Ansage, dass Song 2 „Freiwilliges asoziales Jahr“ heißt, fangen auch wir an zu schwärmen. Schnell wird Stemmens Ersatzgitarre gebraucht. Väterlich stellt er dem Sänger den Gurt kleiner. Als in einem Songintro eine Trompete erklingt, brüllt jemand „Angriff!“ Was‘n das für 1 Volk hier? Sämtliche Deutschpunk-Klischees werden abgearbeitet. Mit leichtem Slipknot-Einschlag. Die Ansage zum Stück über Lieblingsfeind Horst Seehofer kommentiert jemand aus dem angrenzenden Scheißhaus mit „Scheiß auf Bayern!“, ha ha. Um 21:21 Uhr zählen wir genau 44 zahlende Besucher_innen. Saucool für einen Dienstag! Am Ende des Sets wird eine SxE-Version von „Hier kommt Alex“ für einen der Mitveranstalter dargeboten. Ausgerechnet dann als Mario grad am Bus ist. Ein äußerst amüsanter Auftritt, wir bedanken uns für die prächtige Unterhaltung! Während dieser abbaut, erklärt Stemmen dem Drummer noch väterlich kurz den Begriff „Straight Edge“. Um 21:55 Uhr legen wir los. Auch wir alten Säcke haben derbe Spaß dran für all die Kids zu spielen. Und die quittieren dies mit Pogo und Gegröhle. Wir huldigen Bulli im „Elbdisharmonie“ Break, der danach direkt den blöd stehenden Bus umparken muss, weil wir noch zwei Zugaben spielen sollen. Danke Salzburg! Behaltet euch euren trockenen Humor! „Ey, hasse gesehen? Die hatten den Gitarristen von Alarmsignal als Mercher dabei!“, bekommen wir von einem Smalltalk mit. Fahren dann zum Pennen in den Stadtteil Itzling, nahe dem Hbf. Vielen Dank schon mal an Familie T. & L! Und natürlich Iltis Booking für eure erste, erfolgreiche Veranstaltung! Bulli zaubert uns aus den wenigen, vorhandenen Zutaten einen leckeren Nudelteller, während die Gastgeberin uns über die momentan schwierigen Szeneverhältnisse in Salzburg aufklärt. Um 1:45 Uhr liegt unsere Gangsta-Crew verteilt im Schlafzimmer, eingeschlafen wird aber erst später. Im Nebenraum knabbern Chanel-Ratten in ihrem Käfig.

Mittwoch, 12.Oktober 2016. Um Punkt 8:30 Uhr ertönt „Smoke on the water“ in einer gruselig-nervigen Adams-Family-Kirmes-Klingelton-Version, um uns zu wecken. Wir packen z.z., finden einen Parkplatz am Hbf und frühstücken drinnen nochmal zusammen mit Bulli bei Bäcker Anker. Um Punkt 10 Uhr verabschieden wir ihm zum Zug nach Wien. Liebster Schatz, toll dass du mitgekommen bist! Und danke für deine Hilfe! Immer wieder gerne! <3 So, auf nach Karlsruhe! Die nächsten 500km wieder zu dritt. Stemmen fährt. Eine halbe Stunde später werden wir vom deutschen Zoll rausgewunken und erfolglos gefilzt. Machen ein Selfie am Chiemsee und laden Teil 2 unseres Tourdiary hoch. Für Mario fahren wir an der falschen Allianz Arena vorbei. Jener neuen Heimat der Löwen am Autobahnkreuz München-Nord… muhahahaha! Kein Stadionpunkt gibt es in Augsburg. Wir beobachten ein spektakuläres Bundeswehr-Manöver am Himmel über uns. Ansonsten alles eher boring im Vergleich zu den letzten Tagen. Württemberg, du unspektakuläre Landschaft! Höchstens die Abfahrt in die Schwäbische Alb ist erlebniswert. Und die kurze polizeiliche Safetycarphase. In seiner Verzweiflung ruft Mario tatsächlich bei der Salzburger Touristeninfo an, um mit einem schon gestern sehr umstrittenen Burgenpunkt seinen Rückstand auf Ori zu verkürzen. Freak! Aber nun wissen wir immerhin ganz genau dass es wie vermutet echt nur ein schöner Wasserturm ist, hi hi. Hinter Stuttgart ist der Stau dann zum Glück weit weniger schlimm, als es der Verkehrsfunk befürchten lässt. Ein Glaserbulli hat seine Ladung verloren. Punkt genau um 16 Uhr parken wir in KA. Essen extra erstmal Fritten beim Wurschtl am Stephanplatz im Zentrum, um unserem Essener Label RilRec stilecht zum eigentlich auf heute datierten, neunten Geburtstag zu gratulieren. Jedenfalls noch einmal Glückwunsch lieber Maks, Lars und Frank! Im Laden begrüßen wir dann Soundmensch Bert, Kollege Ralf und unseren Gastgeber Jan, den wir ja bereits vom letzt jährigen Konzert im AKK her kennen und schwer mögen. Die neue Location und ihr e.V. Panorama liegen auf einem ehemals von den Amis genutzten Kasernengelände in der Karlsruher Nordstadt. Die geräumige Halle mit fetter Bühne haben sie seit diesem Juni voll im Betrieb. Ein abgetrennter, komplett mit dicken Schaumstoffmatratzen ausgelegter Teil davon dient als Raum zum Bouldern (Klettern ohne Seil). Nebenan befindet sich ein riesengroßer Proberaum, inkl. Studio und Siebdruckwerkstatt. Es gibt zudem noch eine Küche (auch Backstagebereich) mit eingebauter Holzplattform, damit Menschen oben drüber pennen können. Ist richtig, richtig schick geworden. Respekt! Zu Essen bereit stehen scharfes, super schmackhaftes Curry mit Reis, gleich zwei Nudelsalate, Kartoffelsuppe und etwas Knabberkram. Entscheiden uns nur Schlagzeug und Boxen auf die etwa 40cm hohe Bühne zu stellen. Wirkt gemütlicher wenn wir unten stehen. In der angrenzenden Autowerkstatt leihen wir uns einen Akkuschrauber und reparieren endlich mal die Rolle an Stemmis Gitarrenbox. Besprühen Oris Box mit dem Schriftzug und das Pissoir, welches charmant als „Getränkerückgabe“ ausgeschildert ist, mit dem Tourlogo. Als wir draußen auf dem Hof Fußball spielen, trudeln auch die Ortsansässigen Lypurá und pADDELNoHNEkANU aus Baden-Baden ein. Die Freude ist groß, dass es abermals geklappt hat einen Abend auf Tour zusammen mit diesen tollen und megasympathischen Bands zu verleben. Lypurá-Bassist Basti hilft beim Bekleben weiterer Streichholzschachteln. Dann kommt auch Jans ebenso liebenswerte Freundin Tati mit Töchterchen Lili vorbei. Paddeln-Felix erinnert uns an das geplante Interview für sein kleines A5-Zine „Provinz Postille“. Die Antworten geben wir ihm, auf Matratzen liegend, im Kletterraum. Werten Dank schon mal für dein Interesse, lieber Felix! Dann erklingt genau um Neun das fantastische Zusammenspiel von Dani, Basti und David von Lypurá. Diese tolle Screamo-Band hat erst im letzten Oktober, zusammen mit uns im AKK, ihr Livedebüt gegeben. Vor allem unser Gitarrist hat sich bei dieser Tour mit am meisten auf sie gefreut. Wir feiern die aber alle ab. Sogar die Tote Hose gibt an, dass sie gegen ein zukünftiges NPP-Stück in diesem Sound nix auszusetzen hätte. Am 3.12. wird hier an selbiger Stelle die Releaseparty zur Debüt-LP stattfinden. Und die Platte wird bei niemand geringerem als Twisted Chords erscheinen. Absolute Kauf- und Anhörempfehlung unsererseits! Für uns und die knapp 45 Gäste startet ein unglaublich feiner Abend. Gebechert wird dabei heimisches Hoepfner Pilsener und Jever. Im Anschluss machen pADDELNoHNEkANU dann die große Enttäuschung über eine ehemalige Lieblingsband aus Gießen immerhin für eine dreiviertel Stunde vergessen. Felix, Philipp und Boris schmeicheln unseren Gehörgängen mit ähnlich verspielten Melodien und ins Mikro gemurmelten Lyrics. Ihre kleinen Punkperlen untermalen prächtig die coole Atmosphäre des heutigen Tages. Ein schöner Auftritt. Um 23 Uhr dürfen wir dann den Abend abschließen. Jemand fordert uns „Hurensöhne“ bereits früh auf, wir sollten vor den Songs nicht so viel labern. War wohl eher als lustige Anspielung auf diese Parole bei Terrorgruppen-Konzerten gemeint und so kontern wir gelassen, dass mensch Hurensohn nicht sagt. Ein netterer Besucher hatte sich im letzten Jahr gewünscht, dass wir „Monster“ spielen und ihm gleich auch die Geschichte dazu erzählen. Wir mussten ihn damals auf’s nächste Mal vertrösten und lösen unser Versprechen heute ein. Vor einem Jahr ging das einfach noch nicht. Nach dem Konzert leert sich der Raum wie erwartet schnell. Und auch von acht Musikern müssen wir uns viel zu früh verabschieden. Die paar, die noch etwas länger mit am Tresen sitzen, bekommen zur Belohnung noch eine der Tour-Streichholzschachteln geschenkt. Mit kratzendem Walnussschnaps stoßen wir auf den abermals gelungenen Abend an. Um 4 Uhr gehen aber auch bei Jan, Tati, den BarkeeperInnen Marlen und Stephan und unserem Gitarristen die Lichter aus. Die Elfe schafft es so grad eben noch die Schlafplätze zu erklimmen und fürchtet sich dort ganz allein gelassen vor einer Monsterfliege auf Stöckelschuhen, bis irgendwann auch sie erschöpft einschlummert…

Donnerstag, 13.Oktober. Um 10 Uhr packen wir bereits wieder unseren Krempel zusammen. Bassist und Drummer schwärmen von den Rückenfreundlichen Matratzen. Sie haben tatsächlich im Kletterraum gepennt. Wir räumen den Bus etwas auf und spenden all unser gesammeltes Pfand. Machen uns über die Salatreste her. Ey Digga, Hey Ruin spielen ja heute in unserer Hood! He he, die Lappen trauen sich wohl nur, weil die Gangsta grad nicht in der Stadt sind. Anstatt noch bei Jan und Tati zu duschen, durchkurven wir auf Parkplatzsuche die mit Polit-Parolen zugetaggte Südstadt und gehen in der Therme des Vierordtbad, nahe dem Kongresszentrum, schwimmen. Bei den Umkleiden erkennt uns eine Konzertbesucherin und bricht kreischend zusammen… Scherz. Wir plantschen zwischen Rentnergruppen ein Stündchen im Wasser. Senken den Alterdurchschnitt dabei gleich mal um mindestens die Hälfte. Lassen uns von Blubberbläschen die Tourstrapazen aus den Knochen massieren und waschen die hartnäckigen Stempel von gestern vom Unterarm. Stemmis Størte-Stempel geht hingegen nicht mehr raus. Machen uns dann schön für den Koblenzer Jam Club. Große Pommes Rot-Weiß am türkischen Imbiss, vor dem wir parken. Wünschen per MMS auch Bulli guten Appetit. Ok Karls, Ruhe bitte! Wir möchten vielmals danken: Lypurá, pADDELN, Jan, Bert, Ralf, Tati, Andre, Marlen, Stephan und allen anderen Gästen! Die Notgemeinschaft hat sich abermals saumäßig wohl gefühlt bei euch!! Wir bleiben in Kontakt. Um 13:50 Uhr Aufbruch ins für alle von uns eigentlich komplett unbekannte Koblenz. Laut Rider weitere 210km. Mitten durch den Rheiland-Pfälzischen Gemüsegarten, rheinhessische Weinanbauflächen und das Tal der Loreley. Eine Person im Wagen versucht den eingenickten Ori auf der Burgen-Strichliste zu bescheißen. Kleiner Hinweis: Stemmi ist es nicht! Mit leerem Tank rollen wir um kurz nach 16 Uhr ins Tal, rein in die (neben Andernach kleinere) Heavy Metal-Hochburg Koblenz. So nah wie möglich am JuZ parken neben uns just auch Jugendleiter Christoph und weitere Mitveranstalter. Routiniert werden uns die Räumlichkeiten gezeigt. Das dreietagige Jam ist ein ganz klassisches Jugendzentrum, welches hier seit 1972 steht. Der perfekt große Konzertraum mit seiner eckig-schrägen Bühne befindet sich im Keller. Eine schmale Wendeltreppe führt hinunter. Der Hauspunker namens Atze baut hinter der Theke grad das Mischpult auf. Er ist hier für die Technik zuständig. Moin! Die Elfe staubt eine neue Dose roter Farbe ab. Dankeschön! Wir bauen erstmal auf. Organisator Marv und die drei Schmodderigen aus FFM lassen noch auf sich warten. Bis Viertel nach Sechs sind aber alle eingetrudelt und wir haben uns vorgestellt. Ab 19:10 Uhr gibt es dann Spagetthi Bolognese sin carne. Das LAvN-Logo wird an die blaue Wand im schwer gemütlichen Backstageraum geballert. Fett! An Bier stehen Becks, Jever und Reste vom Bitburger bereit. Wer kein Bier mag kann auch Astra bekommen. Wir skypen wie jeden Abend kurz mit Altona und wünschen Mio und Jenny schon mal eine gute Nacht. Den Soundcheck von Schmodder pegelt Mischer Janik easy per Tablet ein. Ist auf alle Fälle gut laut hier. Wir essen gemeinsam mit der Frankfurter Crew. Äußerst umgängliche Leute, könnte noch schwer lustig werden heute… Opa Stemmi erzählt dem jungen Schmodder-Anhang dann, wie er und Jan Mertens (alias Ian MacKaye) 1981 im Sauerland „Straight Edge“ erfanden. Ja ja, damals. Dann, um 21:09 Uhr is Schmoddertime! Flotte Punkmusik, die ab und an wie Oiro (oder gar Kraftklub?) klingt und, neben eingängigen Mitsingparts, auch immer wieder mal mit Beatdownbreaks(!) überrascht. Auf alle Fälle eine gut verdauliche Mischung, die echt Spaß macht! Coole Nummer! Wir tauschen später ihre DIY-CDs gegen LPs. Und packen einen Stapel der Mini-Aufkleberchen in unsere Stickerbox. Noch bevor wir richtig loslegen, bedanken wir uns bei allen involvierten Personen und verabschieden uns bereits bei denen, die gleich schon früher nach Hause müssen. Es ist nun mal ein Donnerstag. Und überhaupt, es ist Koblenz! Doch anscheinend bleiben alle bis zum Ende und feiern mit uns eine Megasause. Wir bekommen vor „Kellerkinder“ vom Jugendleiter sogar Pfeffi auf der Bühne serviert. Stemmen wird den zweiten Abend in Folge beleidigt, weil er einem Assi zu lange labert. Der Typ will endlich „Kein Existenzrecht“ hören. Seine ätzende Art löst dann ein Ereignis von nahezu Punkhistorischer Bedeutung aus: Ori(!) übernimmt plötzlich das Mikrofon und stellt furztrocken klar: „Hurensohn sagt man nicht!“ – WOOOSH!! Gitarrist wie Drummer sind völlig baff. Einhundertsiebenunddreißig Konzerte hat er nun ohne einen Mucks zu sagen mit uns auf der Bühne gestanden und das allererste Wort, was ihm am Mikro über die Lippen kommt… <3 Nur ein Gänsehautmoment an diesem Abend. Wir legen den bislang wohl besten Auftritt der Tour auf’s Parkett. Weisen noch auf die Nazi-Gegendemo am 12.11. in Remagen hin (www.remagen.blogsport.de). Bei „Keine Farben“ tanzen und singen von vorne bis hinten alle Anwesenden mit. Ein Wahnsinn! Mehr als 50 waren es über den ganzen Abend insgesamt. Koblenz man, voll gut ey! Thanks! Wir packen die Klamotten vor der Bühne zusammen. Sagen den Frankfurtern auf Wiedersehen. Bleiben noch zwei-drei Bierchen am Tresen hängen und liegen völlig geflasht um 2 Uhr auf muckeligen Sofas im so genannten „Wohnzimmer“ im Obergeschoss. Hier auf der kleinen Bühne finden auch regelmäßig Akustikkonzerte statt. Ey, was für ein Abend… Mario und Stemmi schauen noch ein wenig in die Streams vom ebenfalls heute stattfindenden Bierschinken Festival im „FZW“ DO. Dann wird geratzt.

Freitag, 14.Oktober 2016. „Früh um Neun schellt der Wecker. Zwei Mal Kaffee, was vom Bäcker! Schön wär’s…“ und so ist es dann tatsächlich. Danke Mona! Da Gloomster per SMS leider für morgen absagen müssen, weil Shouter Julian krank ist, sind wir mit Melzi in Hamburg bereits im regen Austausch über guten Ersatz. Ungeduscht machen wir uns auf gen Braunschweig. Kein Schwimmbad-Stop mehr im Funpark Neuwied. Wir teilen uns die letzten IBU Hexal Gripal. Mario schafft mit dem Schloss in Marburg um 12:45 Uhr den Ausgleich beim Spiel. (Ja, Schlösser zählen schon seit jeher beim Punktesammeln!) Auf unserem Weg über die Landstraße halten wir eigentlich nur für einen Kaffee bei „Klausis“ stark frequentierter „Futterkiste“ am Kreisel in Halsdorf. Die Portionen Pommes und Kartoffelecken mit Zaziki sind köstlich, aber viel zu klein. Ui, mit der Burg in Jesberg geht der Fahrer um 13:51 Uhr tatsächlich sogar noch mal in Führung! Doch Ori gleich nur ein Örtchen später wieder aus – bämm, 15:15! Das wird ein heißes Finish bis Hamburg. Es wird irgendwann wieder auf die Autobahn gefahren. Das Protokoll schläft ein Stündchen. Wir cremen die vom Spielen aufgeschubberten Fingerkuppen und Handflächen ein. Krass auch wie schnell Fingernägel innerhalb von 10 Tagen so wachsen. Um 16 Uhr, also viel zu früh, fahren wir am Ortschild Braunschweigs vorbei und wenige Augenblicke später auch am geschlossenen Nexus. Steuern die erstbeste geöffnete Pizzeria an. Dort verdrücken wir jämmerlichsten Mozarella „Croque“ (Baguette mit Käse und drei Gurkenscheiben) und so semi-leckere Funghi-Pizza mit Peperoni. Immerhin ist Oris „45“ mit drei verschiedenen Nudelsorten in Sahnesoße hier in der „Taormina“ in BS-Viehweggarten gut. Er wird auch gleich vom Ladenbesitzer „wiedererkannt“. Aha. Noch leicht verpennt öffnet Stemmen die gegenüber liegende Tür vom Frauen-Klo. Wird aber zum Glück umgehend von einer besorgten, älteren Gästin an sein Cis-Mannsein erinnert. Mein Gott, danke! Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn der Typ sich aus dem falschen WC-Vorraum das Papierblatt genommen hätte, um seine verschnupfte Nase zu putzen… Auf dem Weg zurück zum Nexus navigiert uns das Handy an der Oettinger und der Wolters Brauerei vorbei. Am Laden erwarten uns bereits drei junge Kerle von der Kasseler Band Sprüpuzz, die die Absage von This Is Real kompensieren werden, da deren Sängerin Piri eine Kehlkopfentzündung auskuriert. Shit, gute Besserung nach Göttingen! Sprüpuzz sind die andere Band vom This Is Real-Schlagzeuger. Wir tragen unseren Klimbim rein. Schnibbeln in der Bar mit Sternekoch Gerald Gemüse, während er einen Berg Kartoffeln schält. Wie eigentlich immer wird auch diese würzige Kartoffelpfanne echt schmackhaft und macht endlich satt. Wir danken dir! Cynical Smile helfen auch noch etwas mit. Um den toten Punkt zu überbrücken, bekleben wir auch noch die letzten Streichholzschachteln von beiden Seiten. Werden mit unserem Tourgimmick Anzahltechnisch so auf alle Fälle hinkommen. Kam unterwegs echt richtig gut an, die Mühe hat sich gelohnt. Das LAvN-Logo sprühen wir draußen ans Treppengeländer zu den Kellerproberäumen von Kackschlacht und E-egal. Dann gammeln wir im warmen Inneren rum bis zur ersten Band und Stemmen wird krank. Das Protokoll schludert ab jetzt etwas. Der königliche Ori gewinnt das Madrider Stadtderby am Kickertisch mit 2:1 gegen Mario. Beim Burgenderby liegt er übrigens auch wieder mit zwei in Front. Der magische FC hat parallel dazu grad eben, in der letzten Minute mit dem gleichen Ergebnis das Heimspiel gegen Aue vergeigt. Verdammte Scheiße! Erstmal ein Becks. Pils und Radler von Wolters, Nörten-Hardenberger und Jever stehen daneben im Kühlschrank. Ori, der Lümel dekoriert den Merch von Cynical Smile negativ um. Um 22:15 Uhr stehen Sprüpuzz als erste Band auf der Bühne. Als es los geht sind so 45-50 Leute vor Ort, aber leider nur ein Teil davon im Konzertraum. Die drei sehr jungen Menschen haben sichtlich Späßchen an ihrem Midtempo-Punkrock. Die Gitarre klingt aber irgendwie so „weich“. Trotzdem gut. Doch nach dem leicht umgetexteten Soilent Grün Cover, mit Zeilen wie „Daniel ist scheiße“ „…hat keine Arme und Beine“, ist beim Verfasser dieses Textes hier Schluss mit lustig. Ihr… Doofen! Ja genau, ihr blöden Doofen! Ich hab doch schon Schnupfen, mensch! ;-) Zum Glück sind dann Cynical Smile dran. Mit der Braunschweiger Grungerockband hatten wir hier bereits beim Sommerfest 2013 einen coolen Abend. War damals erst ihr dritter Auftritt, mittlerweile sind auch sie nur noch zu dritt unterwegs. Gitarristin/Sängerin Franzi macht immer wieder kurze, präzise Ansagen. Unter anderem zur Flüchtlingsdebatte vor dem Song „Shut up“, zum Thema Lookism und zur viel zu einfachen Zwei-Geschlechter-Regelung. Word! Bassist Mitchi muss zwar die ganze Zeit pissen, zieht das Ding aber durch, ha ha. Mit dem Stooges-Cover „I wanna be your dog“ schließen sie ihr Set. Wie Stemmi ist auch Drummer Andy gesundheitlich angeschlagen. Um kurz nach 0 Uhr zeigen wir uns vorab solidarisch mit den im Sommer quasi endgültig aufgelösten Ultras Braunschweig und widmen ihnen, auf Wunsch vom Gitarristen, unser Set. Weiterhin gilt hier: Keine Eintracht mit Nazis! Danach fließen Rotz und Schweiß. Set und Ansagen ziehen sich auf fast eine Stunde hin. Wir geben vor der Heimfahrt noch einmal so alles. Stemmen geht gleich danach heiß duschen und liegt nur 20 Minuten nach dem letzten Akkord bereits in den Federn. Mario und Ori bauen noch die Backline ab und lassen den Abend gegen 3:40 Uhr, gemeinsam mit den putzigen Sprüchen, am Küchentisch im Obergeschoss ausklingen. Also uns hat es Spaß gemacht, danke für euer Interesse!

Samstag, 15.Oktober 2016. 9:30 Uhr: Die Notis werden wach. Hatten unser eigenes, kleines Dreibettzimmer im zweiten Stock. Nach den ausgedehnten Renovierungsarbeiten sieht das hier oben immer noch aus wie eine aus dem Ei gepellte Jugendherberge. Das Nexus war mal ein sehr baufälliges Haus, welches besetzt wurde und ist seit jeher ein selbst verwalteter, unkommerzieller Freiraum. Seit 1999 wird hier in Eigenregie immer mal wieder saniert, nachdem man sich mit der Stadt über einen Nutzungsvertrag einigen konnte. Leider sind sie hier etwas weit ab vom Schuss, sprich Hauptbahnhof. Wir frühstücken an der Bar, gemeinsam mit dem wieder einigermaßen fitten Schalker Gerald und den Kasselern. Verewigen uns bereits zum dritten Mal im Gästebuch. Sprühen diesmal einfach unser Logo neben den Eintrag der Los Fastidios. Leider reißt die Schablone dabei etwas ein. Kurz vor halb Elf dampfen wir ab, es geht zurück nach Hamburg. Dankeschön und Tschüss Braunschweig! Wegen Megastau in Hannover fahren wir erstmal über Wolfsburg. Beim Merchkassensturz kommen wir auf teuflisch genaue 666,86€. Wir beschließen im Gängeviertel erst gar nichts mehr anzubieten. T-Shirts sind eh keine mehr vorhanden, nur noch ein Haufen der taillierten. Hui! Und 1800 so genannte Facebook-Freunde folgen uns inzwischen. Dem vermeintlichen Sympathie-Parameter unserer Zeit schenken wir höflich Beachtung und bedanken uns auch für euer digitales Interesse! Wir juckeln über Landstraßen und wegen einer Baustelle sogar kurz über Feldwege. Machen uns über Wüstentarnfarbene Häuser lustig. Also wenn mal Krieg ist und hier nur noch Steppe, dann alle rein da! Der Müllsack neben dem Fahrersitz füllt sich mit voll gerotzten Taschentüchern. Den Kampf um die Burgkrone gibt Mario still und heimlich auf, indem er sich noch mal zum Pennen auf die Rückbank legt. Titelverteidiger Ori genießt den somit eingetüteten, knappen 17:16-Triumph sichtlich stolz. Stemmen gewinnt das gleiche Spielchen in seiner Version wie erwartet zu Null. Immerhin ist der „Ghetto-Newcomer“ mit satten 2084km die meisten Tour-Kilometer gefahren. Die Tachoanzeige bleibt ganz am Ende genau bei 3731,2km stehen. Um 14:04 Uhr hat die in einen dichten Grauschleier gehüllte Hansestadt ihre müden, verlorenen Jungs wieder. Wir bringen Mario direkt zum Proberaum, wo sein Wagen parkt. Entgegen unserem eigentlichen Plan, verabschieden wir uns alle doch erstmal nach Hause.
Um 17:45 Uhr treffen wir uns am Hintereingang zur Fabrique wieder. Begrüßen dort endlich die Harte Hacke, die immerhin diese letzte Tourstation mit an Bord ist. Insgesamt wird das heute übrigens schon der 55. Auftritt als Dreiercombo innerhalb der vergangenen eineinhalb Jahre. Wir bauen ein zehntes und letztes Mal auf. Der letzte Soundcheck folgt. Freund_innen von nah und fern werden begrüßt. Trotz einiger „Konkurrenzveranstaltungen“ füllt sich der renovierte Raum immer mehr. Uns hingegen schwinden langsam echt die Kräfte. Doch wir sollen heute unbedingt als Headliner spielen. Hans möchte mit uns in seinen Geburtstag feiern. Ok, aber nur weil du es bist. Bei Captain Capgras ist dann leider nur „Hamburger Halbkreis“ angesagt, es wird aber aufmerksam zugehört und reichlich applaudiert. Die schnelleren Stücke der vier Darmstädter kommen auf alle Fälle am besten an. Als Ersatz für die verhinderten Gloomster sind nun One Step Ahead extra aus dem sächsischen Limbach-Oberfrohna angereist. Zu ihrem schnellen Oldschool-HC wird schon ein wenig mehr das Tanzbein geschwungen. Kurz vor Mitternacht starten wir zweimal mit „Antiaging“, weil beim ersten Anschlag gleich mal die Gitarre verstimmt. Warten direkt nach dem Opener eine gefühlte Ewigkeit bis Stemmens Dumbphone endlich 0:00 Uhr anzeigt und gratulieren dem Geburtstagskind mit einem gemeinsamen Ständchen. Herzlichen Glückwunsch! Und auch auf die Gefahr hin, dass wir uns wiederholen sollten: Es folgt der zehnte und für uns erneut megakrasse Gig. Dass dieser wie so oft dann leider doch etwas sehr chaotisch endet, kann unserer immer noch anhaltenden Hochstimmung kaum was anhaben. Wir lassen uns ein weiteres Mal von der Euphorie durchs Set tragen. Ein absolut würdiger letzter Akt vor der Neuinszenierung.
Danke Hamburg! Danke Gängeviertel! Danke Beyond Borders! Danke Captain Capgras! Danke One Step Ahead! Und gute Besserung, lieber Julian!
Auch noch einmal danke an die Crews vom „Haus Mainusch“ in Mainz, der „Arena“ in Wien, der „Kapu“ in Linz, dem „SUb“ in Graz, dem „Import Export“ in München, dem „Denkmal“ in Salzburg, der „P8“ in Karlsruhe, dem JuZ „Jam Club“ in Koblenz, dem „Nexus“ in Braunschweig, an The Low-5ives, Alarmsignal, Missstand, James First, Gehörsturz, Lypurá, pADDELNoHNEkANU, Schmodder, Sprüpuzz und Cynical Smile!
Und ein 1000faches Dankeschön für all euren Support, verehrte „Gewalttäter_innen Links“!
So eine lange Tour in DIY-Manier auf die Beine zu stellen braucht Organisation und Hingabe. Und jeder von uns hat seinen Aufgabenbereich mit Bravour gemeistert. Drei Lost Boys. Eine Band. Notgemeinschaft Peter Pan sagen tschüss bis irgendwann Ende 2017! Dann mit einem neuen Album im Gepäck.